Unsere Haltung
Im Wasserfloh steht das Kind mit seiner Lebendigkeit, angeborenen Neugier und Kreativität im Mittelpunkt. Wir vertrauen darauf, dass Kinder kreative Baumeister*innen ihrer selbst sind. Erwachsene begleiten, hören zu und schaffen einen liebevollen Rahmen mit klaren Regeln, in dem Ideenreichtum, Autonomie und soziales Lernen wachsen können.
Unser Alltag lebt vom Wechselspiel aus freiem Spiel und kreativen Impulsen: Mal beschäftigen sich die Kinder stundenlang in selbstgewählten Projekten, mal bringen die Betreuer*innen neue Anregungen ein – sei es ein Lied, eine Geschichte, ein Naturfund oder eine kleine Werkstattidee. So entsteht ein lebendiger Fluss aus Eigeninitiative und Inspiration.
Wir orientieren uns an einer non-direktiven Auslegung der Montessori-Pädagogik und jener von Rebeca und Mauricio Wild – ohne dogmatisch einer einzigen Richtung zu folgen. Vielmehr picken wir uns die Rosinen aus verschiedenen Ansätzen, die uns sinnvoll und wegweisend erscheinen.
Wichtig ist uns die Alltagsnähe: so kochen wir einmal pro Woche gemeinsam mit den Kindern und lassen sie auch immer wieder kleine Aufgaben übernehmen. Was für eine Freude, wenn man lernt, Dinge selbst zu tun, denn so Selbstwirksamkeit spielerisch Verantwortung erfahren.
Auch naturpädagogische Elemente sind fester Bestandteil: draußen im Garten, bei unserem Waldtag oder auf Ausflügen wird die Natur mit allen Sinnen spür-, erleb- und begreifbar. Mit den Zehen im Schlamm, beim Balancieren über Baumstämme oder beim Entdecken einer Schneckenfamilie wird Lernen zum Abenteuer.
Wut, Trauer und Konflikte haben im Wasserfloh ebenso ihren Platz wie Freude, Ausgelassenheit und Versöhnung. Statt hierarchischer Autorität prägen Beobachtung, Austausch und gegenseitiges Zuhören unser Zusammensein. Wir begleiten Kinder auf Augenhöhe– und geben ihnen zugleich durch klare Strukturen und Regeln Sicherheit.
So entsteht Raum für das lebendig-wache Kind– nicht für das brav-angepasste. Jedes Kind bringt seine Kreativität und sein schöpferisches Potenzial mit, wir geben den Boden, auf dem es wachsen und sich entfalten kann.
Vier einfache Regeln geben Orientierung im Alltag:
- Wir gehen freundlich miteinander um.
- Wir fragen, wenn wir ein Spiel von einem Kind haben wollen.
- Wir lassen einander in Ruhe arbeiten (und fragen, wenn wir mitspielen möchten).
- Wir respektieren ein „Nein“.
Darüber hinausgehende Regeln entwickeln die Kinder gemeinsam mit den Betreuer*innen.
Eingewöhnung
Die Eingewöhnung gestalten wir ganz individuell – jedes Kind bringt sein eigenes Tempo und seine eigene Art mit, Vertrauen zu fassen. Manche fühlen sich schon nach wenigen Tagen wohl und sind bereit, sich von Mama oder Papa für eine kurze Zeit zu verabschieden, andere brauchen eben etwas länger. Und das ist auch völlig in Ordnung so. Für uns ist entscheidend, dass jedes Kind so viel Zeit bekommt, wie es braucht, um Schritt für Schritt Sicherheit aufzubauen.
Am Anfang bleiben die Eltern oder eine Bezugsperson durchgehend im Raum – gut sichtbar auf dem „Elternthron“. Dieser feste Platz gibt den Kindern Orientierung und Sicherheit: Sie wissen, Mama oder Papa sind da, immer erreichbar, und sie können jederzeit zurückkehren. Gleichzeitig dürfen die Kinder von Beginn an selbstständig in die Gruppe hineinwachsen, erste Kontakte knüpfen, spielen und beobachten – mit dem sicheren Hafen im Hintergrund.
Nach einigen Tagen kann sich die Begleitperson behutsam für kurze Momente zurückziehen, etwa um draußen kurz zu telefonieren. Wichtig ist dabei, sich immer klar zu verabschieden, damit das Kind spürt: Ich gehe jetzt kurz, aber ich komme auch wieder. Diese Abwesenheitszeiten werden langsam verlängert – erst fünf Minuten, dann zehn, später schon eine Stunde. Schritt für Schritt entsteht so Vertrauen: in die Gruppe, die Pädagog*innen und in die eigene Fähigkeit, auch ohne Mama oder Papa gut aufgehoben zu sein. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, und wir begleiten es liebevoll auf diesem Weg. Wichtig ist für uns nicht, wie schnell die Eingewöhnung abgeschlossen ist, sondern dass das Kind sich wirklich sicher, gesehen und willkommen fühlt.
